Mit einem lauten Seufzer wage ich den Schritt aus der Haustür. Der Regen klatscht wie aus Eimern auf mein Baumwolltuch und ich wühle hastig in meiner Tasche. Himmel, wieso ist das Ding denn schon wieder so voll? Endlich greife ich etwas schirmartiges und ziehe es zwischen Büchern, Taschentüchern und 7 verschiedenen Saison-Sorten Labello heraus. Und siehe da!…
Warum hungern Menschen? Diese Frage stellen sich viele. “Warum lässt Gott diese Menschen hungern” ist hingegen die falsche Frage. “Warum enthalten wir Menschen unseren Mitmenschen die Nahrungsmittel vor?” müsste sie richtig lauten.
Vielleicht kennen einige von euch die britische “Ali G. Show” (derselbe Schauspieler der “Borat” spielte). Er interviewte einmal einen Politiker und stelle ihm die Frage, warum man den Menschen in Afrika keine Rosinenbrötchen schicke, denn Geld könne man doch nicht essen. Die Antwort habe ich bis heute nicht vergessen.
Ein gemütlicher Abend im Kreis der Familie steht an. Tee und Kuchen sind fertig und warten darauf serviert zu werden. Doch kaum ist der Besuch eingetroffen, die obligatorische Frage nach dem Befinden gestellt und halbehrlich beantwortet, schwenkt die Aufmerksamkeit der Anwesenden um. Die 20 Uhr Nachrichten, die heutige Lieblingsserie oder die Videoaufnahme einer Katze, die ihren eigenen Schwanz jagt, sind ab jetzt viel interessanter.
Mein Onkel ist aus der südöstlichen Heimat angereist, um ein paar Ramadantage mit uns zu verbringen. Er ist klein, dicklich und sein dicker Schnauzer kitzelt beim Begrüßungsschmatzer. Es ist wunderbar ihn hier zu haben, denn er gehört zu der Sorte Mensch, dessen Gastgeschenk die Atmosphäre des Morgenlandes ist. Wenn Onkel Mustafa anfängt zu erzählen, kann man gar nicht anders, als sich im Schneidersitz auf den Boden zu setzen und ihm zu lauschen. Jedes Wort, das dieser Mann von sich gibt, wird im Kopf des Zuhörers lebendig.






