Wiedereinmal sitze ich in der Bahn. Der Zug ist überfüllt. Menschen kommen und gehen. Es ist ein sonniger Tag, für diesen Sommer etwas untypisch. Die Leute genießen es, wollen es ausnutzen und es verbreitet gute Laune. Ich höre Musik und betrachte zufrieden meine Umgebung.
Der Zug wird plötzlich langsamer und kommt zum stehen – „Unfall mit Personenschaden“.
Im Park. Ich sitze unter einem Baum und starre meine Uhr in die Flucht. “Wo bleibt sie denn!?” Ich hätte ahnen sollen, dass sich auch meine Freundin nach der arabischen Zeitrechnung richtet. Das heißt, liebe Unwissende, legt prinzipiell 2 Stunden auf die genannte Uhrzeit, PLUS Anreise! Tja, und nun stehe ich hier. Selbstverschuldet, weil ich mich nicht an mein eigenes Prinzip gehalten habe. So assimiliert sind wir Kanakenkinder dann wohl doch nicht.
Vor einigen Jahren, als wir noch kleine Jungs und Mädels waren, haben wir nicht einmal unser Pausenbrot geteilt. Wir dealten mit Diddle Blättern und prahlten mit unseren Pokemon Sticker. Mittlerweile teilen wir alles, wirklich alles – aber nur online!
Jedes Jahr auf´s Neue mache ich dieselbe Erkenntnis: Von den 24 Stunden, die uns für den Tag gegeben sind, nutzen wir mindestens 14 davon zum Essen. Mit dem gestrigen Beginn von Ramadan, ist dem Muselmann quasi ein gebündeltes Geschenk voll ZEIT gegeben worden. Nur zu oft stellt er dies jedoch beiseite. Auf den Haufen zu den anderen Päckchen voll ungenutzter Zeit.






