Was ist unser Problem? Was wollen wir? Was ist unser Ziel, der Sinn der Sache? Auf der Welt fragt jedes denkende Geschöpf nach der Frage der Sinnlichkeit? So hat auch jede Handlung und jede Tat einen Sinn und eine Bedeutung, ein Ziel, das erreicht werden will.
Zu einer Tat und zu einem Ziel, das erreicht werden will, gehört auch immer ein Problem. Wenn wir nun wissen, was das Ziel, aber nicht das Problem ist, können wir unmöglich etwas Produktives hervorbringen. Dann kommt natürlich noch die Frage des “Wie?”, die ich bei dieser Erörterung nicht beachten werde.
Nach einem Kaffee schnappten wir uns mal ein Buch und wählten willkürlich eine Seite aus. Was wir vorfanden, war recht erstaunlich. Es handelte über das erste Kaffeehaus im osmanischen Reich, also geht es um Istanbul und die weitere Entwicklung. Die anekdotenartige Geschichte hätte ich euch gerne übersetzt, doch somit hätte ich den Meistererzähler Iskender Pala nur mit meiner schlechten Übersetzung geschmäht. Ich hoffe, das Buch wird irgendwann mal aus dem Türkischen in das Deutsche übersetzt. Ganz nebenbei, es handelt sich um das Buch “Kahve Molasi” (Kaffeeauszeit ganz schlecht übersetzt).
Weg mit den Blockaden ist die Devise. Wie die Berliner Mauer muss auch die Mauer der Blockade niedergedrückt und zerstört werden. Im Feuer muss jeder Stein und jeder Brocken lodern. Zugrunde gehen müssen alle Blockaden vor der geballten Kraft der Gerechtigkeit. Kommt Leute, lasst uns wappnen gegen die unrechten Herrscher, Despoten und jedem Gewaltigem der sich der absoluten Gerechtigkeit nicht beugt. Jeder muss untergehen vor der gewaltigen Kraft gleich einer tosenden Welle, die weder im Meer noch auf dem Land nirgends hinterlässt was nicht Schön, Edel und Gerecht ist. Lasst uns also wappnen gegen die Blockaden des Geistes… Geht es euch nicht auch manchmal so?
Sich verlieren in der Feuerbrunst
in dieser Gesellschaft keine Kunst
alles ist frei, freier geht’s nicht
man fühlt sich hier nackig
nichts ist mehr heilig
dies alles ist scheinlich
euch ist es egal freilich
unsere Bedenken sind kleinlich
doch unser Einst in Gedanken versunken
wie soll er sich vor Gott verantworten
dass die Feuerbrünste ihn zogen
in ihre warmen Wogen
ihnen mit Arglist betrogen
ins Verderbnis ihn sogen
in die Arme und Schoße
verderbnisreicher Liebe
er der die Gnade vergisst
mit dem Leben bricht
In Paradoxien
Wir leben
Als Muslime
auf der einen
Seite Lust
auf der anderen
fromme Askese.
Desto älter ich werde, desto mehr sehe ich die blanke, unbeschönte, ungeschminkte Seite der Gesellschaft, der Menschen, die nackten Tatsachen. Mit dem Alter verfliegt der romantische Idealismus und langsam verwandele ich mich in einen harten Realisten. Einen manchmal spöttischen, ironischen, manchmal sogar zynischen Schelm. So habe ich Momente vor allem wenn ich versuche unseren jüngeren Mitgliedern der Gesellschaft nützlich zu sein, Momente an denen ich resigniere, an denen ich die weiße Fahne zücken, mich in die Ecke setzen und ein beleidigter Kritiker zu sein wünsche.
Schon lange schreibe ich nicht und will auch nicht über Integration und den Rest der Probleme schreiben, die damit in Verbindung stehen. Die Diskussionen sind eine Endlosschleife: „wird Integration richtig definiert oder nicht… wir sind doch integriert… Integration ist es…“ bla bla bla. Aber eigentlich weiß keiner so richtig, was er so schreibt und die ganze Diskussion ist schon lange nicht mehr objektiv. Wir befinden uns doch ständig in einer Lage der Gefühlsfaselei. Die Mehrheitsgesellschaft sagt dann, der böse Türke, Araber, was auch immer hat dies und das getan, und wir Engagierten sind dann ganz empört und schwafeln etwas von Schubladendenken. Neulich ist auch modern zu antworten, „packt euch doch selber an die Nase“ und „wisst ihr, was wir in der Vergangenheit alles geschafft haben“. Dazu kann ich nur sagen, unsere Vorfahren haben es geschafft, nicht wir. Was schaffen wir eigentlich?
Erst neulich habe ich in meinem Traum von einem kleinen 10 jährigen Mädchen geträumt. Ich wusste sofort, wer dieses Mädchen war und freute mich, sie zu treffen. Sie sah mir tief in die Augen, obwohl ich wusste, dass sie mich nicht sehen kann. Sie verstand mein Gesprochenes, obwohl ich wusste, dass sie nicht hören kann. Ich nahm ihre Hand und wollte etwas auf ihre Hand buchstabieren. Das Mädchen hatte plötzlich ein Glanz in ihren Augen und sie freute sich, wie ich es nur selten von jemandem gesehen hab. Das Mädchen umarmte mich herzlich, fest und ich fühlte ihre vollen Backen auf meinen. Sie hatte struppiges Haar, ihre Haarfarbe konnte ich nicht bestimmen. Nach diesem Traum wusste ich, dass die Zeit gekommen war, endlich über diese Person zu schreiben.
Das Blitzlicht blendete meine Augen. Nur langsam gewöhnte ich mich an sie. Schattenartig erkannte ich Konturen. Ich sah viele Gesichter raue, harte, niedliche, strenge Blicke. Sie schienen mich zu durchbohren. Ich sah einen kleinen Affen, wie er mich und die anderen in unserem Käfig beobachtete, wie wir von dort nach da herumgingen. Wir zeigten mit den Fingern auf sie und fingen an zu albern und zu lachen. Der Affe beobachtete uns mit einem Stirnrunzeln. Wir wurden jetzt richtig albern.
Wir fingen an, einen älteren Herrn mit einer großen Nase mit Essen zu beschmeißen. Wir beschimpften ihn mit „zu Fett“ und „fettes Schwein“. Das Schwein schmunzelte und ging wieder seinen Weg. Wir beruhigten uns schlagartig und schauten uns das Mädchen mit dem weißen Fell und Schnurrbärtchen an. Unsere Ruhe dauerte nicht lange. Wir wollten das Mädchen erschrecken und bellten los. Das Mädchen war nicht sehr beeindruckt und schenkte uns nicht ihre Aufmerksamkeit. Das ärgerte uns gewaltig.













