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i,Slam – Poetry oder was?

17.Februar 2012 |  by Gastschreiber  |  Creative Corner
i,Slam - Poetry oder was?

Mit dem Gewinn bei der überregionalen Zahnräder-Konferenz, war es den Machern von i,Slam endlich möglich ihren Traum vom literarischen Kreativ-Wettbewerb in die Tat umzusetzen! Als offizieller Unterstützer, präsentiert CUBE MAG Veranstaltungsberichte und Interviews der ersten Auftakt-Shows.

Die Thalia Zentrale ist heute so voll, wie nur selten. An der Bar werden statt Alkohol, Soft-Drinks und verschiedene Teesorten angeboten. Pünktlich um 20 Uhr nehmen Younes Al-Amayra und Youssef Adlah das Mikrofon in die Hand.

Die Gründer des i, Slam moderieren heute ihr Projekt i, Slam und erfinden gleichzeitig ein neues Genre in der Slamer Szene. Somit heißt es statt „Guten Abend“ „Salam“ und die Slamer fangen mit einem Bismillah an ihre Texte vorzutragen. Die Themen sind unter anderem Krieg, Frieden, Zeit, Diskriminierung, Freiheit und die Gesellschaft.

Wie beim altbewährten Poetry Slam treten auch bei i, Slam 9 Künstler auf. Die jüngste unter ihnen, Hana Z., steht mit ihren 15 Jahren zum ersten Mal vor einem derart großen Publikum. Auch hier entscheidet das Publikum, wem es letztendlich den Sieg gönnt. Nach 3,5 Stunden Tränen-Lachen, Nachdenken und die Qual der Wahl ist es entschieden:

Die Siegerin wird Fatima Moumouni aus München. Ihre sehr frei und enthusiastisch vorgetragenen Texte über den Sinn des Lebens und den Weltfrieden überzeugen das Publikum am meisten. Auch die Belohnung der Sieger ist eine Neuheit in der Slammer-Szene: Die zweitplatzierten Hana Z. und Dr. Ali Özgür Özdil erhalten anstelle von Sekt, Zamzam Wasser. Für Fatima gibt es eine handgefertigte Mini-Kaaba. Das besondere am i, Slam ist das neue Format, weshalb es auch für Hoda Z. interessant war, es auszuprobieren: „Ich war zwar schon vorher ein Fan von Poetry Slam, aber eher passiv. Ich habe selbst Texte geschrieben, aber kaum vorgetragen, da ich es zeitlich nie zu einem Poetry Slam geschafft habe.“

Nicht nur die anwesenden Vetreter des Thalia Theaters waren begeistert; auch das muslimisch-weiblich dominierte Publikum war schwer beeindruckt von so vielen jungen Muslimen: „Ich war zuvor noch nie bei einem Poetry Slam dabei und habe sehr spontan entschlossen zu kommen. Große Erwartungen hatte ich nicht. Dafür war ich am Ende fasziniert. Der i, Slam hat mich spätestens jetzt zu einem Fan von Poetry Slam gemacht“, teilt uns Naome Z. begeistert mit.

In den eigenen Reihen gab es positives Feedback. Viele waren von der Atmosphäre, dem unterhaltsamen Programm und den jungen Talenten beeindruckt und machten sich inspiriert und sehr motiviert auf den Heimweg. Auch Mustafa K. ist vom i, Slam beeindruckt: „Das nächste Mal werde ich insha’allah  mit dabei sein. Vielleicht auch als Slamer.“

Wir von Cube Mag hatten das große Glück, die i, Slam-Gewinnerin aus Hamburg persönlich zu  sprechen:

Wie bist du zum Poetry Slam gekommen?

Ende 2010. Ich habe vorher nur allein in meinem Zimmer Raptexte auf Englisch geschrieben. Meine Freundin meinte, dass es einen Poetry-Workshop bei uns in München gibt. Ich bin hingegangen und habe das erste Mal auf Deutsch geschrieben. Im Anschluss gab es auch einen Wettbewerb, an dem ich teilgenommen habe.

Wie war dein erster Eindruck von dem i,Slam?

Es war sehr schön. Der Raum und die Atmosphäre – alles passte. Es herrschte ein gemütliches Wohnzimmer-Feeling. Besonders schön war aber die Verbindung der Vorträge mit dem Islam.

Woher weißt du, was das Publikum hören möchte? Machst du dir beim Schreiben von Texten Gedanken darüber oder wäre das der falsche Weg?

Wenn ich schreibe, denke ich ab und zu schon daran, was den Leuten gefallen könnte. Es ist nun mal so, dass Poetry Slam ein Wettbewerb für das Publikum ist und man sich schon ein wenig danach richten muss. Man sollte aber nicht auf biegen und brechen versuchen, es dem Publikum recht zu machen, denn man will ja sich selbst repräsentieren.

Worum geht es in deinen Slam Texten?

So pauschal kann ich das gar nicht sagen. Ich versuche eine gewisse Message zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen. Frieden, Weltverbesserung, alles recht träumerische oder nachdenkliche Themen bis jetzt, die ich versuche, in einer ansprechenden Weise dem Publikum nahezubringen.

Unterscheidest du zwischen Slam Texten und anderen Texten, die du schreibst?

Ja, meine Slamtexte sind weniger persönlich. Ich würde niemals ein Liebesgedicht vortragen und dem Publikum so viel von mir preisgeben. Wenn man wütend oder traurig ist, hat man ja oft Inspiration für einen Text. So etwas gab es bei mir noch nicht auf der Bühne. Im Allgemein sind meine anderen Texte weniger zugänglich, weil sie im Gegensatz zu den Slamtexten nur für mich sind und keiner Bewertung standhalten müssen.

Was fasziniert dich, wenn du auf der Bühne stehst?

Am Anfang ist man aufgeregt, macht sich Sorgen und sieht zum Glück oft nur Scheinwerfer. Wenn der Text gut anfängt und alles gut läuft, traut man sich ins Publikum zu schauen, in die vielen Gesichter. Wenn das Publikum lächelt oder Emotionen zeigt, ist es ein unbeschreibliches Gefühl: Das Publikum, mein Text und ich.

Was legst du allen nah, die slamen möchten?

Geht in Workshops! Es gibt deutschlandweit kostenlose Workshops, die wirklich gut sind. Dort lernt man seine Texte vorzutragen, bekommt Tipps zum Schreiben und Reimen und vor allem kann man seine Texte an einem kleinen Publikum ausprobieren, bevor man auf die Bühne geht.

Lust auf mehr? Alle Tourdaten und Infos findet ihr hier!

Ein Bericht von Kübra B. aus Hamburg.

Bilder © Arne List

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