Grüezi, liebe Geschwister!

11.Januar 2011 |  by Nabil C.  |  Sonstiges  |  Share
Grüezi, liebe Geschwister!

„Moin, Moin“,  ruft es aus dem hohen Norden Deutschlands und „Grüezi“,  schallt es aus der Schweiz zurück. Zum ersten Mal lädt die Muslimische Jugend Schweiz (MJS) zum Ummah-Day ein und auch das Team Cube-Mag lässt nicht lang auf sich warten. Ausgestattet mit Kamera und Aufnahmegerät geht es ran an die Buletten… Sorry, an die ‚Schwitzer Schoki‘ natürlich! Ein Leckerbissen war es allemal, was die MJS uns am 18. Dezember 2010 präsentierte und wir wollen euch hier einen kleinen Einblick in das Schweizer Event des Jahres geben.

Eine Gemeinschaft, die aus dem Schatten ans Licht tritt. Das ist die Vision des jungen muslimischen Vereins „Ummah“, der sich aus der Muslimischen Jugend Schweiz formierte. Unter diesem Motto versammelten sich am 18.Dezember 2010 in der Stadthalle Dietikon im Schweizer Kanton Zürich ungefähr 700 Jugendliche und solche, die sich jung fühlten. Ein buntes Programm aus Vorträgen, Präsentationen und unterhaltsamen Darbietungen erwartete die Besucher im eingeschneiten Zürich. Ein kleiner Basar im Foyer mit allem, was der Muslim so braucht, sowie diversen kulinarischen Köstlichkeiten. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stand jedoch etwas Anderes, nämlich die jungen Muslime selbst. Längst verstehen sie sich selbst nicht mehr als Inhalt einer Integrationsdebatte, oder gar als Einwanderer in die Schweiz. Sie sehen sich selbst als integrativer Bestandteil der Schweizer Gesellschaft und wollen mit ihrer Lebensweise das kulturelle Bild des Landes bereichern. In diesem Sinne wagte der Hauptredner des Abends, Tariq Ramadan, einen Vorstoß in dieser Debatte, indem er die Jugendlichen dazu aufforderte, sich stärker im öffentlichen Leben zu zeigen. Er appellierte an die Anwesenden, dass sich für sie die Frage der Integration nicht mehr stelle. Wie solle man auch Schweizer in ihr eigenes Land integrieren? Mit diesen Aussagen traf Ramadan genau den Geschmack der Organisatoren und begeisterte die aufmerksamen Zuhörer.

Die weiteren Referenten standen weiterhin nicht im Schatten und überzeugten ebenfalls mit ihren Beiträgen. Begleitet von einem musikalischen Rahmenprogramm des bekannten muslimischen Rappers Ammar und seinem Weggefährten Sayfoudin 114 wurden die Anwesenden durch ein sehr abwechslungsreiches Programm geführt.  Den Anfang machten zwei Imame, die beide eine besondere Stellung unter den Jugendlichen im deutschsprachigen Raum besitzen. Sheikh Youssef Ibrahim, bei den Schweizer Jugendlichen sehr geschätzt, nahm seine Zuhörer mit auf eine Reise zu den Jugendlichen in der Zeit des Propheten Mohammed (saws). Ihm folgte Ferid Heider aus Berlin, einer der wenigen Imame Deutschlands, die nicht nur Deutsch ihre Muttersprache nennen können, sondern auch einen Großteil ihres Islam-Studiums in Europa absolvierten. Bruder Ferid veranschaulichte dem Publikum in seinem Vortrag den Stellenwert der Moschee im Leben der Muslime.  „Man sollte versuchen sich in seinem Glauben zu verstärken und öfter in die Moscheen zu gehen, sich regelmäßig dort aufzuhalten, um dort das nötige Input zu bekommen, es dann weitergeben zu können. Außerdem sollte man sich mehr am gesellschaftlichen Leben beteiligen, insbesondere durch Ehrenamt. Ihr müsst zeigen, dass wir ein Teil dieser Gesellschaft sind. Wir arbeiten nicht nur für Muslime, wir arbeiten für alle Menschen.“ Bruder Ferid betont die Barmherzigkeit und das Mitgefühl, das verstärkt hervortreten muss, um den Menschen zu zeigen, wie ein Muslim wirklich ist. Sie sollen sehen: Die Medien sagen dies, aber unsere muslimischen Mitmenschen sind ganz anders. Dennoch, so lenkt er ein, sollte man für seine Rechte kämpfen. „Sobald wir aufgeben, haben die anderen gewonnen. Was haben wir Muslime davon, wenn wir uns zurückziehen? Die Mehrheit wird uns keine Rechte zusprechen wollen. Wir müssen zeigen, dass wir etwas bewirken können. Die jüdische Gemeinschaft ist das beste Beispiel dafür.“ Der Muslim soll klar zeigen: Wir Muslime gehören hierhin. Abschließend riet er den jungen Muslimen: „In allen Gesellschaftschichten, in allen Lebensbereichen brauchen wir Leute, die erfolgreich sind. Die Menschen in Europa müssen das Gefühl bekommen: Wenn die Muslime nicht mehr da sind, dann haben wir etwas verloren.“ Sicher ist dies ein langer Weg, aber, so betont der Referent, nimmt man als junger Muslim eine Brückenfunktion ein, dessen Grundsteine hier und jetzt gelegt werden.

Auch einer Analyse der aktuellen Situation der Muslime in der Schweiz wurde Raum geboten. Hasan Hatipoglu, Vorsitzender der Vereinigung islamischer Organisationen in Zürich, erklärte den Anwesenden die aktuelle Lage der Muslime in der Schweiz und gab ihnen einen Ausblick in die Zukunft. Er zeigte sich sichtlich zufrieden. „Ich sehe das alles sehr positiv hier. Viele Jugendliche wurden erreicht. Das ist gut und wichtig dieses Interesse zu wecken und sie zum Mitmachen zu animieren. Sie sollen sich verantwortlich fühlen.“ Er betont weiterhin die Wichtigkeit der muslimischen Selbstdarstellung. „Wir müssen uns aus unseren Reihen heraus korrekt darstellen. Machen wir es nicht, tun es andere.“ Die jungen Schweizer Muslime beklagen vor allem die Skepsis und den Fremdenhass von Seiten der älteren Schweizer Generationen. Hasan Hatipoglu dagegen sieht darin das übliche konservative Verhalten, dem die Schweizer mit fast allem begegnen, was neu in ihre Reihen tritt: „Wenn man dies weiß, nimmt man diesen Widerstand nicht mehr so schwer. Hinter dieser Feindseligkeit liegen Ursachen, Ängste, die man ernst nehmen sollte. Die jungen Muslime sollten nicht so schnell das Handtuch werfen.“ Sein Rat an die Jugendlichen: Gott hat dir 24 Stunden gegeben. 8 davon schläfst du vielleicht und 2 davon isst du. Auch jetzt bleiben dir noch 14 Stunden, von denen du am Tag nur 1 Stunde für das Wohlergehen der Mitgläubigen opfern müsstest. Diese wiederum arbeiten dann am Wohlergehen der Gesellschaft. Nimmt man sich also vor nur 1/24 seines Tages dafür zu investieren, kann man Berge versetzen!“

Die einzige weibliche Sprecherin des Abends, Saloua Mohammed aus Bonn, appellierte an die soziale Verantwortung der jungen Muslime. Die Pressesprecherin der Lifemakers Deutschland nahm hierbei kein Blatt vor den Mund und wies auch auf Missstände in den muslimischen Gesellschaftsgruppen hin.  Als letzter Redner vor Tariq Ramadan hatte dann der Abgeordnete des Schweizer Nationalrats Daniel Vischer das Wort. Der Grünen-Politiker rief in seiner Rede seine Schweizer Kollegen zu mehr Offenheit auf und motivierte die Muslime seines Landes dazu sich stärker in den politischen Diskurs einzubringen. „Ich glaube, dass sich die Muslime noch zu wenig eingemischt haben und, dass dieses Treffen hier ein guter Startschuss dafür sein könnte. Die Muslime sollten vermehrt in die Jugendparteien eintreten. Sie sollten vom Objekt zum Subjekt werden und direkter Teil der Auseinandersetzung werden. Selbst die Diskussion aufnehmen!“ Der Veranstaltung selbst, entgegnete der Grün-Politiker mit Erstaunen. „Ich bin sehr positiv beeindruckt. Dies ist eine gute Gemeinschaft, die Selbstbewusstsein ausstrahlt. Eine heterogene Masse, in der völlig verschiedene Menschen zusammenkommen und das mit einer Selbstverständlichkeit, die von anderen leider viel zu wenig wahrgenommen wird.“ Sein Appell an die jungen Schweizer: „Nehmt Teil am politischen Leben, überlasst dies nicht anderen! Ergreift eure Chance!“

Am Ende bleibt uns nur den Geschwistern von „Ummah“ zu applaudieren. Ihre erste größere Veranstaltung zeigte uns das Potenzial, das in diesen jungen Schweizern steckt. Allein die Veranstaltung komplett bilingual in Französisch und Deutsch anzubieten, war ein hartes Stück Arbeit. So ist es den Organisatoren erfolgreich gelungen junge Schweizer Muslime aus dem ganzen Land zu versammeln, um der Öffentlichkeit das Schweizer Gesicht des Islams zu präsentieren. Wir freuen uns schon auf den Ummah-Day 2011 und halten unsere Kamera schon mal bereit.

Einige Bilder vom Event:

Stadthalle Dietikon

Beim Einlass

Ferid Heider

Der Stand vom Cube-Mag

Tariq Ramadan

Zuhörer beim Ummah-Day

Ammar 114

Das Cube-Mag stellt sich vor

Das Organisations-Team

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Der Autor

Nabil C. (24) ist Student im Medienmanagement an der MHMK Hamburg und leitet das Marketing und Brandmanagement bei Cube-Mag. Seit Jahren engagiert er sich in der muslimischen Gemeindearbeit in seiner Heimatstadt Hamburg und überregional bei der Muslimischen Jugend Deutschland. Den Muslimen in Deutschland eine professionelle Präsenz in den Medien zu geben ist ihm ein besonderes Anliegen. Sein Motto: „Fragt euch nicht was die Ummah für euch tun kann, sondern was ihr für eure Ummah tun könnt.“ (Haji Kennedy)




2 Kommentare


  1. “Ferid Heider gilt unter den liberalen Muslimen als Hardliner. Das „Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung“, in dem er predigt, wird im Verfassungsschutzbericht 2007 erwähnt.”

    Toll, mit welchen Leuten sie sich schmücken.

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  2. Nun ja, als Muslim im Verfassungsschutzbericht erwähnt zu werden, ist keine Kunst. Vor allem dann nicht, wenn man zu seiner Religion aufruft und dies offen und nicht im Verborgenen.
    Ich war selbst bei einer Veranstaltung dabei und habe erlebt, wie der Verfassungsschutz mit allen Mitteln versucht hat, doch noch etwas Negatives ans Licht befördern zu können. Was wäre denn auch der Verfassungsschutz, wenn es nichts bei den Muslimen zu finden gäbe, dass einem Schutz der Verfassung bedarf?

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