
Der große Topf wurde genommen, auf den Herd gesetzt. Die höchste Stufe wurde eingestellt. Die Herdplatte veränderte ihre Farbe, wurde rot, es glühte schon. Man spürte die Hitze, da staute sich was auf. Die ganze Hitze wurde an den Topf weitergeleitet. Der Topf verhinderte die freie Entfaltung. Die gewaltige Energie konnte sich nicht austoben und mit voller Wucht und Raserei strömte die gewaltige Hitze in den Topf. Aus dem Kühlschrank wurde Bio-Milch entnommen, nicht nur Bio, sondern auch ohne Genpflanzen wurde propagiert. Gesunde, 3,8% Fett beinhaltende Milch. Man goss ein, zuerst in eine Tasse, dann in den Topf, damit berechnete man das Maß. Erst ein, dann zwei und immer mehr. Jeder wollte etwas von dem Gebrüh trinken. Dann kam der Zucker, aus europäischen Zuckerrüben, vermischt mit dem Rohrzucker der alten Kolonialherren. Für jeden Trinker ein Teelöffel. Nicht zu süß, nicht zu bitter, für jeden Geschmack geeignet.
Man öffnete die Dose mit dem Kaffee. Das Aroma verbreitete sich augenblicklich. Man nahm einen Teelöffel und glaubte die Geschmeidigkeit zu spüren. Das Aroma ging in Mark und Glied, atemberaubend. Ein echter türkischer Kaffee. Der Kaffee, den die Osmanen vor den Toren Wiens verloren hatten. Der Kaffee, der dazu bestimmt war, die Soldaten wach zu halten, ihnen Kraft zu geben, vor den Toren Wiens zu stehen, zu siegen, wie sie es in Konstantinopel taten, aber in Wien scheiterten. Die erste Bekanntschaft des Westens mit dem Kaffee. Eine blutige Bekanntschaft, zugegebener Maßen etwas blutig, unter dem falschen Stern. Für jeden ein Teelöffel. Es wurde gerührt, kräftig gerührt. Versucht zwei scheinbar unvermischbare Komponenten mit Gewalt zu vermischen. Die weiße Milch wurde braun, es entstand Schaum, schöner, herrlicher Schaum. Das Aroma bereitete sich aus, es erfreute die Seele, regte die Geschmacksnerven an. Das Unmögliche war geschafft. Die Komponenten vermischt, eine Koalition, eine Einheit oder ein Trugschluss? Die gewaltige Hitze brachte nun das Gebräu zum Erhitzen. Dunst bildete sich, stieg auf in die unendlichen Fernen des Himmels, um schließlich wieder zurückzukehren. Die Milch brodelte, brodelte, wie in einem Hexenkessel. Der Hexenmeister rührte weiter, immer weiter, verhinderte die Komponenten vor dem Auseinanderreißen. Das Wasser brodelte immer stärker. Es entstand eine Schaumschicht, sie bauschte sich auf, erhöhte sich, wurde immer größer, eine Katastrophe voraussagend. Man nahm die Vorwarnung nicht ernst, wie ein Vulkan ging sie in Luft. Bespritzte und beschmutzte den Herd, setzte sich auf die Platte an, nur schwer war es zu säubern. Der Topf wurde in der Zwischenzeit vom Herd genommen, aber es war schon zu spät. Viel hatte man verloren von dem kostbaren Gut, wenig war noch übrig. Die Milch kam zur Stille, es regte sich nicht. Die Stille, die Ruhe vor der Flut. Man vergaß, was passierte, setzte ein weiteres Mal den Topf auf den Herd. Es regte sich nicht, noch nicht.
Kleine Info um den Text besser zu verstehen:
Als ich letztens zufällig in einen Tchibo-Laden reingetappt bin, haben mich die großen Kaffeemaschinen sehr beeindruckt. Auf den Bildern konnte man perfekt zubereitete Latte Macchiato und wunderbare Espressos sehen. Ich war sichtlich begeistert und die Magie der Werbung schien mich ausgetrickst zu haben. Ich musste eine Maschine haben. Ich war mir sicher. Das war es, worauf ich mein ganzes Leben gewartet hatte. Damit erhöhe sich mein Lebenstandard mit einem Mal. Meine Lebensfreude erreiche seinen Zenit. Spätestens als ich eine Probe des kostbaren Gutes bekam, weckten sich Zweifel in mir. Der Geschmack war so, ich drücke es mal schön aus, widerlich, sodass ich auf dem Weg alles in den Müll schmeißen musste.
Also Hände weg von teuren Kaffeemaschinen! Lebe die alte Schule.
Gleich am nächsten Tag kommt meine revolutionäre Idee, eine Kaffeemaschine ist Passee. Nehmt einen Topf und füllt diesen mit 3.6% Fett beinhaltender Milch, mit 3.8% funktioniert es sogar besser. Nehmt einen frisch gemahlenen, die Sinne betäubenden “Fair Trade” Kaffee und tut diesen in einen Filter. Ein Kaffeefilter ist gut, ein Teefilter geht auch. Natürlich müsst ihr die Filter binden, damit nichts in die Milch fließen kann. Dann kocht die Milch samt dem Kaffee im Filter und rührt oft. Schüttet nach Belieben Zucker und auch wenn ihr mögt Zimt. Passt auf, dass die Milch nicht überkocht, denn dann gibt es eine ziemliche Sauerei. Füllt die Milch nun in Tassen und lasst es euch schmecken. Ihr werdet einen milden, der türkischen Zunge entsprechenden Geschmack erhalten. Wer dann doch mehr Kaffee als Milch schmecken will, der muss den Kaffee ohne Filter in der Milch aufkochen, aber bei dieser Methode muss man ständig rühren. Beim Eingießen in die Tassen kann dann der Kaffee mit einem Sieb entfernt werden. Ihr werdet tatsächlich einen besonderen Kaffeegeschmack erhalten, der sich mit nichts vergleichen lässt. Eine teure Kaffeemaschine ist nun unbrauchbar. Wer jedoch schnellen und quantitativen Kaffee haben will, was durchaus dem heutigen Gedankengut entspricht (schnell und viel), der kann ja immer noch eine Maschine kaufen. Wer jedoch nicht auf Quantität, sondern Qualität aus ist, dem kann ich nur diese hohe Kunst des Kaffeegenießens empfehlen. Lasst es euch schmecken… BiIzniAllah
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tazpresso. mehr muss man nicht sagen
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Danke, so habe ich Kaffee vorher noch nie gekocht… Hab es gerade ausprobiert und bin hin und weg!
Einfach nur lecker!
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